Fachstelle Crystal Meth

Die Fachstelle Crystal Meth ist seit 01.01.2018 an die Thüringer Landesstelle für Suchtfragen e.V. angegliedert.

Referent der Fachstelle: Richard Kunstmann

Service und Projekte der Fachstelle

Die Fachstelle versteht sich als Servicestelle rund um das Thema Crystal Meth. Neben der Vernetzung der Akteur*Innen der Suchtkrankenhilfe und der Beobachtung der Entwicklung bilden Wissensvermittlung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Entwicklung bzw. Begleitung von Projekten zum Thema die Schwerpunkte.

In den vergangenen Jahren entwickelte die Fachstelle daher den Flyer Crystal Meth um qualifizierte Informationen zu Substanz, Wirkung und möglichen Unterstützungsangeboten bereitzustellen. Der Flyer kann über die TLS bezogen werden.

Mit dem ab 2008 rasant steigendem Crystalkonsum in Thüringen wurde auch der Bedarf an Fortbildungen zu diesem Thema deutlich. Die Fachstelle bietet daher in Zusammenarbeit mit Expert*Innen aus der professionellen Suchtkrankenhilfe eine Inhouse-Fortbildung mit mehreren Modulen an.

Hintergrund für die Etablierung und Notwendigkeit einer Fachstelle zu diesem Thema ergab sich aus folgenden Überlegungen: Die Zahl der Nutzer*Innen von Crystal Meth stieg in Thüringen rasant an. Einig sind sich alle Experten*Innen, dass eine engere Verzahnung der Hilfsangebote und eine größere Kooperation zwischen Renten- und Krankenversicherung, Sozialhilfe- und Jugendhilfeträger, Suchthilfe und Psychiatrie notwendig sind. Die wichtigsten Herausforderungen sind dabei die Bereitstellung von spezifischen Angeboten, insbesondere Hilfestellungen für die Zielgruppe Mütter mit Kindern, ein Ausbau der Beratungsangebote, Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten und mehr Offerten in der Weiter- und Fortbildung.

Durch die Fachstelle erfolgt eine Vernetzungskoordinierung, Aufnahme und Sichtbarmachen der einzelnen Angebote. Sämtliche Akteur*Innen sind ins Gespräch gebracht worden.Gerade die Zielgruppe von Crystal Meth-Konsumierenden muss aufgrund ihrer Bedarfe und Entwicklungspotenziale als spezifisch wahrgenommen werden. Es wurde eine eigene Erhebung zur Beratungssituation in Thüringen durchgeführt (2018-11-05 – Ergebnisse Zusammenfassung).

Außerdem entwickelte die Fachstelle in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Jena und dem Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie ein Pilotprojekt zur Versorgung von Crystal-Meth konsumierenden Schwangeren mit dem Pilotstandort Jena. Näheres dazu finden Sie weiter unten.

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Aktuelle Entwicklungen der Fallzahlen in Thüringen:

Behandlungsfallzahlen HD Stimulanzien in den Einrichtungen 1, 2 und 5. Typ 1: ambul. Einr.; Typ 2: Rehabilitations- (SGB V §107.2/SGB VI §9 u. §15) u. Adaptionseinr. Typ 5: Soziother. Einr., Eingliederungshilfe/Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten Quelle: IFT-Suchthilfestatistik Thüringen 2008-2018

Patient*Innen mit stimulanzienbezogenen Störungen bilden in Thüringen die zweitgrößte Diagnosegruppe (nach Alkohol). Zwischen 2010 und 2015 fand eine Zunahme von Betreuungen aufgrund von stimulanzienbezogenen Störungen in ambulanten Einrichtungen statt. Das hat sich in den letzten drei Jahren nicht in dieser Form fortgesetzt: Während 2015 19% der Männer und 26% der Frauen wegen einer Stimulanzienproblematik in ambulanten Einrichtungen betreut wurden, gingen die Anteile 2016 etwas zurück und lagen 2017 mit 15% und 23% noch niedriger. Im aktuellen Berichtsjahr ist der Wert für die Männer mit ebenfalls 15% gleichgeblieben, allerdings ist bei den Frauen wieder ein Anstieg auf 26% zu verzeichnen. In den stationären Rehabilitations- und Adaptationseinrichtungen steigt die Anzahl der Behandlungen aufgrund einer stimulanzienbezogenen Störung bei Frauen weiter an, so dass 2018 ein neuer Höchststand mit je 28% für beide Geschlechter erreicht wird (2017: Männer: 22%; Frauen: 20%). Grundsätzlich stagniert damit die Zahl der Betroffenen mit einer stimulanzienbezogenen Störung auf hohem Niveau.

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Informationen zur Substanz, Herstellung, Konsumformen, Wirkung, Risiken und Unterstützungsangeboten

Crystal Meth ist eine synthetische, also künstlich hergestellte Droge, die der Gruppe der Stimulanzien/ Psychostimulanzien zugeordnet wird. Stimulanzien wirken anregend auf den Organismus.

Neben den von Konsumierenden gewünschten Effekten, wie Erhöhung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, können aber auch unerwünschte problematische Wirkungen wie Depressionen und Paranoia eintreten.

Mehr Informationen können Sie unserer Broschüre CRYSTAL METH entnehmen. Diese senden wir Ihnen auch gern zu. 

Weitere Informationen zur Substanz und der Wirkung erhalten Sie auch über folgende Links:

Spezifisch für den Thüringer Freistaat hat die Landesregierung einen Leitfaden zum Thema „Crystal Meth“ veröffentlicht.

Angehörige von suchtgefährdeten bzw. suchtkranken Menschen sind mit der Situation häufig überfordert, fühlen sich allein oder ohnmächtig. Die TLS e.V. hat daher ein paar Tipps für Angehörige zusammengestellt, welche Sie hier herunterladen können:

Für Betroffene, die den Ausstieg aus dem Konsum wünschen, gibt es eine neben der Möglichkeit sich professionell unterstützen zu lassen auch digitale Angebote:

Des Weiteren bieten alle Suchtberatungsstellen Hilfe und Unterstützung an (für Betroffene wie auch für Angehörige). Die Beratungsstelle Ihrer Region können Sie dem Thüringer Suchtwegweiser entnehmen.

Betroffenen, die den Ausstieg geschafft haben und sich Unterstützung auf ihrem Weg wünschen, empfehlen wir den Kontakt zu einer regionalen Suchtselbsthilfegruppe, welche ebenfalls dem Suchtwegweiser entnommen werden kann.

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Pilotprojekt: Versorgung konsumierender Schwangerer am Universitätsklinikum Jena – „Clean4us“

Die Forschung belegt, dass der Konsum von Drogen, Alkohol und Nikotin die Entwicklung des ungeborenen Kindes erheblich beeinträchtigt. Durch den Konsum kommt es oftmals zu lebenslangen gesundheitlichen Einschränkungen für die Kinder. Aus Studien und Untersuchungen ist bekannt, dass Konsument*Innen von illegalen Drogen in der Regel jung sind und Drogen wie Crystal Meth die Lust auf Sex steigern können. Das heißt auch, dass das Thema Schwangerschaft bei den konsumierenden Frauen eine Rolle spielt. Nicht nur die Suchthilfe weiß um diesen Fakt, auch die Geburtsmedizin und andere professionelle Unterstützungsangebote berichten zunehmend von schwangeren Konsumentinnen illegaler Drogen.

Mit dieser Thematik beschäftigen sich daher seit Ende 2018 in der Region Jena Vertreter*Innen aus dem Gesundheitswesen, kommunalen Einrichtungen und sozialen Unterstützungsangeboten gemeinsam. Entwickelt wurde mit Unterstützung der TLS ein Konzept für ein Pilotprojekt zur Versorgung konsumierender Schwangerer, welches ab Mai 2020 umgesetzt wird. Gefördert wird das Vorhaben durch das zuständige Thüringer Ministerium (TMASGFF). Die Umsetzung erfolgt in Trägerschaft des Jenaer Universitätsklinikums. Ziel des Projektes ist es die Frauen auf dem Weg zur Konsumfreiheit zu unterstützen und ihnen ein gemeinsames Leben mit den Kindern zu ermöglichen. Mit Hilfe einer Case Managerin sollen vorhandene Hilfsangebote der Netzwerkpartner gebündelt werden um somit eine optimale Versorgung von Mutter und Kind auch über die Geburt hinaus zu gewährleisten.